vorlesung à la orange

ich sitze in der vorlesung, endlich darf ich mal wieder. ich bin kindlich dumm, so wie ich mich überhaupt nicht kenne. aber dieses umfeld dort ist furchtbar. ich habe glück, sitze neben jemandem, der mich „ertragen“ kann. dann spüre ich, dass meine damalige liebe, ganz pink und unsichtbar davorne, fast dozent, mich unterstützt und ich lege los. ich bin agressiv, gesellschaftskritisch, ein wunderbarer modus, wenn man dieses vertrauen spürt. und dann springe ich und rotze eine orange faschingsprinze-SS-INNEN-Jury á la Stadtrat-DSDS runter. Hässliche selbsternannte RICHTERINNEN mit Federboas auf dem kopf, rüberzahlende rübezahlen. Meine damalige Liebe verlässt den Ort des Geschehens. Alle Opfer wollen telefonieren mit der Poluzai, was geschieht und geschehen ist. Ich bin in einem Treppenhaus, man macht mir wieder Freude, motorisch, ich treffe alte Freunde, die ich nicht mehr leiden mag, aber wir kämpfen uns gemeinsam weiter in einen Theater- oder Opernsaal, eine Falle, wir sollen weiter laufen und in die Stuhlreihen stürzen, ich rette uns, halte unsere traumkörper auf.

 

(verarbeite wohl den HÄFTLINGSVERKAUF IN DER DDR… oder ist das Quatsch? ORANGE IS THE NEW BLACK?)

kiemsee

ich im schwimmbad. laufe an becken entlang. auf dem grund liegt ein mann, ertrunken? tot wirkend. aber noch nicht lang? ich wedele mit den armen, ein gleichgültiger schwimmmeister springt ins wasser. der mann wird geborgen. und ich erwache hustend. und realisiere: er wurde ins wasser geworfen, damit seine kiemen wachsen entsprechend seiner fischgene. ich denk: wie unendlich dämlich kann man sein?

schönheitskönigin

ich traue mich nicht aus der wohnung, es ist doch aber mein geburtstag. im hof steht eine tafel. für mich gedeckt, weiße tischtücher und landlebenblumensträuße, selbst gepflückt. niemand ist da. alle gäste haben sich selbst ausgeladen. ich habe todesangst. verstehe nicht, warum. ich sehe, das tor steht offen, zu meinem hof. ich registriere es seitwärts, das sonnenlicht fällt herein, direkt neben dem sicherheitsmann, der es zulässt und ich vertraue. diesem blonden, deutschen schäferhund. eine frau kommt herein, setzt sich wortlos an den tisch, nicht als gast. aber auch nicht nicht als gast. sie weiß, ich, diese nicht ganz fremde, von der sie weiß, wer sie ist, nagt am überleben. ich lese weiter in meinem buch. und spreche nicht. lasse sie zu in ihrer parallelität zu meinem nicht mehr zerstörtsein.

die welt unter wasser (waterworld)

der ballon, der heißluftballon fliegt über die versunkene stadt über die grenze ins nichts ins haus ins große haus aller familien und wir leben dort zusammen keiner kann mich leiden nur eine kümmert sich um mich sie werfen mich raus und ich verstehe nicht warum ich bin eigentlich ganz lieb aber sie hassen mich zutiefst und wollen mich nicht haben niemand will mich haben warum will mich niemand haben?

Römisch I

das vorher ist gelöscht, ich nehme an, wir liebten uns in den Rs. dann verschwindest du, großer meister, im gebäude. ich in einem bus. will zu dir, doch man behandelt mich, als wäre ich nicht dein. als wäre ich nicht mal ich. es ist widerwärtig. ich werde nieder gedrückt und habe keine identität mehr. ich zähle nichts mehr. alles was ich kann ist wertlos im angesicht dieses selbst ernannten richters. auch frauen, klar. und alles andere. aber das macht es nicht besser. das macht es nur schlimmer, (Teil II auf dem anderen Blog).

wo kam das denn jetzt plötzlich her?

ich irgendwo in einer gruppe. er, ganz anders, wissendanentspannt, greift nach meiner hand, zieht mich zum stand, nicht hinauf, er wagt, wir wagen hände zu halten vor den anderen menschen dort im flur im gang. zaghaftes manuelles sich wieder gehen lassen in die einsamkeit, aber doch gemeinsam auf der grünen meile in sein büro. ich bin trunken von sieg und liebe und einkehr und verdammnis, alter verdammnis, die ich noch nicht, die ich nie abschütteln können will. du habest ein wenig umgeräumt, sagst du unsicher. ich erkenne die ewig diskutierte position des schreibtisches mit meinem vater. und muss lächeln und denke wieder, wie lieb dieser mann ist, meiner, der da steht und wartet, ob ich ihn endlich erkennen mag. ich wende mich ihm zu und muss einige meter doch zurückweichen, weil ich diese räumliche nähe und realität kaum ertrage und das glück dort zu sein in diesem riesigen büro am reileck ohne heizung aber im rechteck umstellt mit älteren möbeln.

 

(blecherne gelie ohne herz da oben, aber immerhin begegnet. ein kleiner sieg. hail me.)

wohlwollendes schweigen

beim chor. ich in erster reihe. er oben, ein jackett, ein hinterkopf, ganz typisch unverwechselbar nur er, kann er nur sein. ich weiß nicht recht, wie ich dort sein kann, aber ich bin dort ganz regulär. ich drehe mich hin zu ihm. er in dritter reihe oben davon, dahin, sich wegdrehend vom sich zu mir hindrehen? ich singe etwas wie: dont feel my heart broken. die anderen blicken zu ihm, zu mir. die anderen werden ein menschenwald, um mich ohne mich anzublicken. ich sage: ich habe das gar nicht gemerkt. und ich habe es auch schon wieder vergessen, was ich sang. ich realisiere, das mein singen, mitten hinein singen einvernehmlich ist mit dem menschenwald, den menschen im wald, nur mit ihm nicht, er schlingernd allein auf einer lichtung wie ein scheues reh, dass nicht geschossen werden will, an hallimasch nagend, dem größten, schwersten pilz der welt, am salz leckend, als könnte es seine wunden schließen und nicht die da in der ersten reihe. er ist da noch hinter den linien. pam und diese eine aus den archiven des zerfalls erwarten jetzt endlich der liebe ersten kuss und ich verstehe, dass ich nicht abgelehnt, sondern aufgenommen bin, um ihn endgültig aufnehmen zu können.

geschmack und geschmäckle

entrolltes weihnachtspapier in der ganzen höhle, wirkungslose fliegenfänger

(weil keine fliegen im winter? weil kein kleber auf dem papier? kein honig?)

rote schleifchen, güldene tannenzapfen, neongrüne krakelige schrift schreit

FROHES FEST

(zweifellos der punk unter den schriftarten)

weihnachtskarten fliegen mir ins gesicht

zoom:

die frohe botschaft zersplittert

meine augengläser

 

 

 

 

 

 

enfant soldat

le train en marche der fahrende zug

noir le ciel le montagne schwarz der himmel die berge

sans la nuit ohne die nacht

mais aber

le tunnel der tunnel

lumière brillante gleißendes licht

assez simple einfach genug

le commerce pictural der bilderhandel

je veux me retourner dans ma tombe im grabe will ich mich herumdrehen

dit la fille sans la nuit sagt das mädchen ohne die nacht

pourquoi toujours moi warum immer ich

et les autres und die anderen

pourquoi nous et pas les autres warum wir und nicht die anderen

pourquoi quiconque warum irgendjemand